Inspiration

Hin (mit Trixie Whitley)

An Dienstagen bin ich jeweils eine von Millionen, die mit dem Zug aus der Agglo in die Stadt pendelt. Der öffentliche Verkehr ist ja das ultimative Gruppenerlebnis. Wir sitzen oder stehen gemeinsam im Abteil, fahren dem Tag entgegen und schauen in die selbe Richtung: schräg nach unten aufs Natel oder in die Gratiszeitung. Persönlich finde ich ja den Blick aufs Natel interessanter, neben News lesen kann ich noch Mails checken oder mithilfe von Lindy-Hop-Videos neue Moves lernen.

Manchmal mach ich mir aber auch einfach den Knopf ins Ohr und höre Musik. So habe ich mir vor ein paar Tagen auf dem Weg zur Arbeit das neue Album  „Sway“ von Trixie Whitley angehört. Es wurde von ihr überraschend veröffentlicht und enthält Material, das sie bislang nur live gespielt hat oder Liveaufnahmen von bereits veröffentlichten Songs.

Via (HB und Central zur Idee)

Die Musik entwickelte auf meiner Pendlerreise eine Art Sog, so dass ich vom HB der Limmat entlang zum Central mit wippendem Gang und Kopfnicken (nicht zu reden vom leicht debilen Grinsen im Gesicht) weggetragen wurde und unvermittelt die ultimative Idee für ein neues Projekt aufpoppte. So wie eines dieser Fenster, das beim Surfen aufgeht, ohne dass man dies irgendwie beabsichtigt hat. Im Unterschied zu diesen Pop-Ups enthielt mein Fenster allerdings eine brauchbare Information, die ich zwar nicht gesucht hatte, die jedoch, inspiriert durch die Musik, ihren Weg in mein Bewusstsein fand.

(Sobald mein Projekt – es soll eine Art Hörspielmeditation entstehen – fertig sein wird, werde ich hier selbstverständlich einen Link setzen.)

Zurück (mit Martha Graham)

Am Abend, auf dem Heimweg, natürlich wieder mit dem Knopf im Ohr und dem Blick schräg nach unten, finde ich auf Instagram einen Eintrag mit dem Foto der Tänzerin und Choreogrbildschirmfoto-2016-11-05-um-13-28-02aphin Martha Graham.  Das Bild stammt von Barbara Morgan, die leider keinen deutschsprachigen Wiki-Eintrag hat. Ich habe deshalb den Link auf ein längeres  Interview auf Englisch gesetzt, in dem Barbara Morgan gegen Ende über die Entstehung des Fotos spricht.

Das Bild in diesem Post wurde von einem Zitat über Martha Graham begleitet, das von Agnes de Mille stammt. Die deutsche Übersetzung folgt nach dem englischen Text:

„I confessed that I had a burning desire to be excellent, but no faith that I could be. Martha said to me, very quietly: There is a vitality, a life force, an energy, a quickening that is translated through you into action, and because there is only one of you in all of time, this expression is unique. And if you block it, it will never exist through any other medium and it will be lost. The world will not have it. It is not your business to determine how good it is nor how valuable nor how it compares with other expressions. It is your business to keep it yours clearly and directly, to keep the channel open. You do not even have to believe in yourself or your work. You have to keep yourself open and aware to the urges that motivate you. Keep the channel open…“

„Ich gestand, dass ich den brennenden Wunsch hatte, ausgezeichnet zu sein, aber kein Vertrauen, dass ich es sein könnte. Martha sagte zu mir, ganz ruhig: Da ist eine Dyamik, eine Lebenskraft, eine Energie, ein Erwachen, das durch dich in Handlung übersetzt wird, und weil es dich nur einmal gibt (und geben wird), ist dieser Ausdruck einzigartig. Und wenn du ihn blockierst, wird er durch kein anderes Medium existieren und er wird verloren gehen. Die Welt wird ihn nicht haben. Es ist weder deine Aufgabe zu bestimmen, wie gut er ist, noch wie wertvoll, noch ihn mit anderen Ausdrücken zu vergleichen. Es ist deine Aufgabe ihn klar und direkt zu gestalten und den Kanal offen zu halten. Du musst nicht einmal an dich selbst oder an deine Arbeit glauben. Du musst dich offen halten und deine dich motivierenden Bedürfnisse erkennen. Halte den Kanal offen…“

Der Instagram-Post stammte übrigens von Trixie Whitley, die das Zitat als einen der Hauptgründe für die Veröffentlichung von Sway angab.

Niemand weiss im voraus, ob eine Idee oder ein Projekt Anklang finden wird, jemanden berührt oder irgendwie nützt, weder in einem künstlerischen, noch in einem so genannt „bürgerlichen“ Beruf. Wichtig ist, sich auszudrücken, „es“ zu tun, was immer „es“sein mag und es der Welt zu schenken, auch wenn diese wahrscheinlich nicht darauf gewartet hat. Üben wir uns also in bedingungslosem Tun und lassen wir uns überraschen!

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